Passionszeit 2022

Unter dem Motto „Üben! Sieben Wochen ohne Stillstand“ steht die diesjährige Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland.

„Sieben Wochen ohne“ ist eine bundesweite Fastenaktion der EKD. Sie beginnt in diesem Jahr am 2. März (Aschermittwoch), und endet am 17. April (Ostersonntag).

Verbinden wir normalerweise mit dem „Fasten“ eine bewusste Reduzierung unserer Aktivitäten, ein Weglassen und den Verzicht liebgewonnener Genüsse und Gewohnheiten, so geht es dieses Mal um ein konzentriertes und therapeutisches Aktiv-Werden. Die Fastenaktion 2022 lädt ein, etwas Neues auszuprobieren. Vielleicht beginnen Sie, ein Instrument zu spielen, das Sie schon immer einmal interessiert hat. Oder Sie üben sich ein in tägliche Spaziergänge. Lernen Sie eine neue Sprache oder üben Sie die Kurrentschrift, um endlich die alten Briefe Ihrer Großeltern lesen zu können. Sie könnten jeden Tag/Woche eine Ecke in Ihrem Garten bearbeiten, eine Kiste auf dem Dachboden aussortieren oder einem alten Schulfreund einen Brief schreiben… Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich einer neuen Herausforderung zu stellen, den erreichten Lebenskreis zu erweitern, etwas Neues auszuprobieren und – und dabei geht es in der Fastenzeit besonders – über eine gewisse Zeit an der vorgenommenen Aufgabe dranzubleiben ohne nachzulassen.

Zugegeben, die „7 Wochen ohne“ müssten in diesem Jahr eigentlich heißen „7 Wochen mit“. Aber der Effekt dürfte wohl ein ähnlicher sein.

Die nachfolgenden Punkte rufen uns den Gewinn des Fastens noch einmal in Erinnerung:

  1. Eine neue Erfahrung. Beim Fasten überschreiten wir bewusst die Grenzen des herkömmlichen Lebens. Wir betreten einen neuen Raum des Fühlens, des Wissens, der Wahrnehmung, der uns sonst verschlossen geblieben wäre.
  2. Konzentration. Für eine bestimmte Zeit lassen wir uns nicht mehr von den vielen Dinge, die täglich auf uns einströmen, fremd-bestimmen, sondern entscheiden selbst, wem oder was wir unsere Zeit und Aufmerksamkeit zuwenden wollen.
  3. Zeitgewinn. Übung und auch Disziplin sind dazu freilich nötig. Das Resultat aber wird ein überraschender Zeitgewinn sein. Plötzlich merken wir, dass es doch möglich ist, sich für eine Sache die nötige Zeit zu nehmen.
  4. Gesundheitlicher Gewinn. Jede Form einer bewussteren Lebensweise führt zu einer gewissen Reinigung; psychisch und physisch. Wir erleben: um uns selbst intensiv zu spüren brauchen wir keine Suchtmittel oder andere Stoffe. Das Leben selbst steckt voller Impulse und Reize.
  5. Steigerung der Willensstärke. Wer sich auf eine Aufgabe konzentriert, sei es nun ein Verzicht oder eine Übung, der stellt dabei spontane Gelüste zurück. Er trainiert dadurch seine Willensstärke und Entscheidungsfähigkeit, was für unzählige andere Lebenssituationen en Gewinn sein wird.
  6. Geistliches Wachstum. Das ursprüngliche Ziel des christlichen Fastens war in jedem Fall das persönliche Wachstum im Glauben. Jesus hat gefastet und seine Jünger zum Fasten motiviert.
  7. Und schließlich: die „Imitatio Christi“. Als geistliche Übung wird das Fasten zu einer Nachahmung des Leidens Christi. Natürlich hat Fasten immer auch etwas mit Leiden zu tun, kontrolliertes, persönlich dosiertes, freiwillig gewähltes Leiden. Nicht, weil wir uns damit Gottes Wohlgefallen erwerben könnten, wohl aber um die Nähe des leidenden Christus zu suchen. Das gilt selbst dann, wenn in der Passionszeit das Leiden nur als Thema in den Fokus rückt und wir uns theoretisch damit beschäftigen.